Yvette Körber
Frau Gemeineammann von Oberentfelden im Interview
Letzten Montag öffnete die Stadtbibliothek Aarau nach einem umfassenden Umbau wieder ihre Türen und glänzt mit der Open Library, der Kaffeebar LYSA und einem neuen Familienzimmer. Sie ist ein Ort der Begegnung, des Genusses oder einfach zum Verweilen.
Aarau «Nach zweimal Bibliothek zügeln bin ich nun froh, dass wir wieder zurück sind», so Leiterin Lilo Moser bei der Wiedereröffnung der Stadtbibliothek Aarau letzten Montag. Für den gut sechsmonatigen Umbau und die Modernisierung des Hübscherhauses, wo sich die Stadtbibliothek seit 1969 befindet, zügelte sie in das nahe gelegene Bezirksgerichtsgebäude, was sich für den provisorischen Betrieb als ideale Übergangslösung und für alle eine gute Erfahrung erwiesen hatte.
Das Provisorium im Bezirksgerichtsgebäude bot allerdings nur etwa die Hälfte des gesamten Medienbestands, was sich auch in den Besucherzahlen widerspiegelte. Diese gingen um 37 Prozent zurück. Überraschend stabil blieben hingegen die Ausleihzahlen der Erwachsenen, die lediglich um 20 Prozent sanken. Im Kinderbereich nahmen die Ausleihen sogar zu, dank der Möglichkeit, doppelt so viele Medien wie üblich mitzunehmen. Viele Kundinnen und Kunden schätzten zudem die Nähe und Übersichtlichkeit der provisorischen Räumlichkeiten und gaben entsprechend positives Feedback.
Der Umbau im Hübscherhaus dauerte einen Monat länger als geplant, was vor allem auf umfangreiche technische Modernisierungen zurückzuführen war. Dazu zählen eine vollständige Erneuerung der Haustechnik, Massnahmen im Bereich Brandschutz, der Einbau einer Gastroküche sowie die Installation der erforderlichen Infrastruktur für den neuen Open-Library-Betrieb.
Die neue Lüftung der Gastroküche hat der Stadtbibliothek ein bisschen Platz gekostet, was aber weiter nicht schlimm ist, da sie im Bezirksgerichtsgebäude weiterhin Büroräume, Lagerfläche und einen grossen Raum für Veranstaltungen nutzen kann.
Das Konzept der Open Library (Selbstbedienungskonzept) stammt ursprünglich aus Singapur, wo 2002 die erste derartige Bibliothek eröffnet wurde. Dänemark übernahm 2004 das Konzept und führte seine erste Open Library ein. Skandinavische Länder wie Dänemark und Schweden haben das Konzept massgeblich weiterentwickelt und dann in Europa verbreitet.
In der Schweiz wurde es 2019 erstmals umgesetzt, und nun ermöglicht es auch in Aarau tägliche Öffnungszeiten von 6 bis 22 Uhr. Die Bibliothekskarte dient dabei als Zugangsschlüssel. Medien können selbstständig ausgeliehen und zurückgebracht werden, neu auch über eine Handy-App. Neben dem Medienbezug soll die Bibliothek vermehrt als öffentliches Wohnzimmer dienen – als Ort zum Lesen, Lernen, Arbeiten oder einfach zum Verweilen.
Besonders wichtig war dem Bibliotheksteam die Weiterentwicklung des Angebots für Familien. Mit dem neuen Familienzimmer wurde ein einladender Bereich geschaffen, der Kindern und Eltern Raum zum gemeinsamen Aufenthalt bietet. Ein kleines Lesehäuschen lädt die Jüngsten zum Schmökern ein, während Erwachsene bequeme Sitzgelegenheiten vorfinden. Für die Bibliothek ist dies ein bedeutender Baustein, da Familien und Kinder zu den wichtigsten Zielgruppen gehören und in den letzten Jahren bereits stark von Angeboten des Fördervereins «Pro Stadtbibliothek Aarau» profitiert haben.
Die Zeitschriftenlounge befindet sich jetzt gleich beim Eingang links, wo vorher die bedienten Theken waren, die jetzt im Raum gegenüber zu finden sind. Die neue Zeitschriftenlounge bietet mehr Platz und viel Licht. Geplant ist eine neue Möblierung. Hier können Besucherinnen und Besucher Zeitschriften lesen oder bei einer Tasse Kaffee verweilen.
Als grossen Gewinn bezeichnet Lilo Moser die Zusammenarbeit mit der neuen Kaffeebar LYSA. Die Betreiberinnen nutzen die frisch installierte Gastroküche und bieten von Frühstück mit Gipfeli und Kaffee über gesunde Mittagsmenüs bis hin zu abendlichen Tavolata-Angeboten ein kulinarisch vielseitiges Programm. Damit wird die Bibliothek zusätzlich zu einem sozialen Treffpunkt, der weit über das klassische Bibliotheksverständnis hinausgeht. Die Öffnungszeiten der Kaffeebar sind Dienstag und Mittwoch 8.30 bis 18 Uhr, Donnerstag bis Samstag 8.30 bis 22 Uhr und am Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Für spontane Kaffee-Lust stellt die Bibliothek zudem zwei Nespresso-Automaten bereit, an denen sich Gäste jederzeit für einen kleinen Betrag bedienen können.
Die Kombination aus Bibliothek und Gastronomie soll das Haus noch stärker zu einem lebendigen Ort der Begegnung machen. Ziel sei es, so Lilo Moser, den Menschen einen angenehmen und einladenden Raum zum Sein zu bieten – einen Ort, an dem man sich wohlfühlt, Menschen trifft oder einfach eine Auszeit nimmt.
Um das neue Konzept erlebbar zu machen, bietet die Bibliothek in den kommenden Monaten ein kostenloses Open-Library-Promo-Abo an. Dieses ermöglicht den Zugang zu den Räumlichkeiten während der unbedienten Zeiten, jedoch ohne die Möglichkeit, Medien auszuleihen.
Zum Auftakt herrschte reger Betrieb. Viele Menschen nutzten bereits am ersten Montagmorgen die neuen Angebote und sprachen dem Team zahlreiche Komplimente aus. Für Lilo Moser ist dies die schönste Bestätigung und darauf dürfe man schon ein bisschen stolz sein.
Alle weiteren Informationen, Angebote und Veranstaltungen findet man unter www.stadtbibliothekaarau.ch.
Von Olivier Diethelm
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