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Von links: Samira Tanner (Verantwortliche Sammlungen), Künstler Hubert Crevoisier, Marc Philip Seidel (Direktor & Kurator) und Désirée Wenzinger (Verantwortliche Projekte.
Bild: da
Anfang Dezember eröffnete die neue Ausstellung «Spectrum» im Ikonenmuseum Lenzburg. In dieser treten die Glaskunst und Installationen von Hubert Crevoisier in einen Dialog mit den traditionellen orthodoxen Ikonen der Dauerausstellung.
Lenzburg «Der Ansatz unseres Museums ist es, Infos niederschwellig in Häppchen rüberzubringen, denn unser Publikum reicht vom Kleinkind bis hin zum Experten», erklärt Marc Philip Seidel, Direktor und Kurator des Museums Burghalde in Lenzburg, in welchem sich auch das Ikonenmuseum befindet. Genauso gross wie das Spektrum der Besucher ist jedoch auch jenes der Sammlungen des Museums, welches aus Archäologie, Industriekultur, Stadtgeschichte, der graphischen Sammlung und eben aus orthodoxen Ikonen besteht. Letzteres sind religiöse Darstellungen, welche nicht nur der Betrachtung, sondern in ihrem Zweck auch der Anbetung und spirituellen Verbindung dienen.
Im Ikonenmuseum werden diese religiösen Abbilder regelmässig anderen Formen der Kunst mittels Pop-up-Ausstellungen gegenübergestellt, welche eine ganz neue Sichtweise auf das Thema «Ikonen» ermöglichen. 2023 beispielsweise wurde das Thema Superhelden aufgegriffen – Ikonen der Popkultur.
In der Ausstellung «Spectrum» treten nun Werke des Bieler Künstlers Hubert Crevoisier in den Dialog mit den orthodoxen Ikonen. «Religion ist immer etwas Spannendes, man muss sie aber auch frisch halten», so Marc Philip Seidel. Bei der orthodoxen Glaubenswelt komme überdies hinzu, dass diese aus der westlichen Sichtweise relativ schwierig zugänglich sei. «Das Schöne an der Zusammenarbeit mit Hubert Crevoisier ist, dass das Ikonenmuseum mit seinen Räumen neu erlebbar wird. Wir räumen nicht die bestehende Sammlung weg, sondern haben Platz geschaffen, um Interventionen zu ermöglichen», so Seidel. Und besonders spannend: Die beiden Ausstellungen kämen nun in einer Natürlichkeit daher, als hätten sie schon immer zusammengehört.
«Ich habe mir geschworen nie mehr an einem Ort auszustellen, an welchem es kein Tageslicht gibt», schmunzelt Crevoisier, als er im Untergeschoss des Museums Burghalde, in welchem sich das Ikonenmuseum befindet, über sein Schaffen berichtet. Dass er diesen Schwur gebrochen hat, spricht für die Räumlichkeiten, die er vorfand. «Die Gäste der Ausstellung zeigten am Eröffnungstag Anfang Dezember grosses Interesse und Begeisterung», freut sich die Projektverantwortliche Désirée Wenzinger. «Man hat sich auf die Werke eingelassen und selbst versucht herauszufinden, worin der Dialog mit den Ikonen bestehe. Man liess sich von der Intuition leiten, was genau dem entspricht, was sich Hubert erhofft hatte.»
Ein positiver Effekt von derlei Pop-up-Ausstellungen sei zudem, dass sie Personen anlocken, die ein kulturgeschichtliches Museum bis dato gar nicht auf dem Radar hatten. Dieser Erstkontakt münde bestenfalls in einem unverhofften, neuen Interesse, so Marc Philip Seidel. Trotzdem: «Ein sensibler Umgang mit den ausgestellten Ikonen ist uns wichtig», erklärt Désirée Wenzinger. «Es soll kein Konkurrenzkampf zwischen den Ausstellungen entstehen. Das ist auch das Schöne an Huberts Werken: Durch ihre reduzierte Abstraktheit eröffnen sie Raum für die Ikonen.»
Insgesamt neun Werke und Installationen von Hubert Crevoisier rücken die Ikonenausstellung in ein ganz neues Licht. Auch wenn es anmassend wäre, sein 35-jähriges Schaffen auf diese Auswahl zu reduzieren, lässt sie doch erahnen, welche Vielfalt – oder eben welches «Spectrum» – sein Schaffen auszeichnet. Den Ausstellungseinstieg macht «Cocon de Verre» aus dem Jahr 2000. Ein Kokon, umwickelt von filigranen Glasfäden. «Ich war fast der Einzige, der diese Technik damals beherrschte», erzählt Crevoisier nicht ohne Stolz. Den Schlusspunkt bildet «Dynamique jaune», bestehend aus honigfarbenen, rechteckigen Glaskörpern, die sich vor einer grossen Ikonenwand positionieren. Auch hierfür tüftelte der Künstler monatelang herum, bis der gelbe Farbraum der Objekte in der richtigen Leuchtkraft daherkam. Und tatsächlich: Nun kommen diese – auch ohne Tageslicht – gebührend zur Geltung.
Infos zum Museum Burghalde: www.museumburghalde.ch
David Annaheim
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