Rolf Walser
Interview: OK-Präsident und Gesamtschulleiter über das «Speuzer Schuelfescht»
Der Gemeinderat Seon informierte am Politapéro über die aktuellen politischen Geschäfte (v. l.): Otto Walti, Markus Rihner, Peter Siegenthaler, Andrea Callegher und Christine Iten.
Bild: aob
Die Gemeinde Seon lud am vergangenen Dienstag zum Politapéro. Steigende Kosten für den Mittagstisch gaben an diesem Abend besonders zu reden.
Seon Die Eltern von Schulkindern mussten am vergangenen Politapéro der Gemeinde Seon vom 19. Mai eine herbe Ankündigung verdauen. Die Kosten für den Mittagstisch für Schulkinder der Unter- und Mittelstufe werden bereits ab kommendem August deutlich steigen: von bisher 14 auf 20 Franken. Grund dafür ist, dass die sogenannten Tagesstrukturen – also Mittagstisch und Randstundenbetreuung – wegen steigender Nachfrage und pädagogischer Anforderungen an eine externe Firma übergeben werden, wie Gemeindeammann Peter Siegenthaler erklärte.
Ab kommendem August übernimmt die K&F KiTS GmbH aus Ennetbaden, welche bereits in umliegenden Gemeinden aktiv sei, die pädagogische Leitung des Angebots. In einem zweiten Schritt übernimmt selbige ab Februar 2027 auch die operative Leitung, womit der Preis weiter auf 28 Franken pro Tag steigen wird – allerdings nur für auswärtige Kinder. Die Gemeinde Seon schiesst für die Zöglinge der eigenen Einwohnerinnen und Einwohner 8 Franken zu. Die Preissteigerung bilde die Kostenrealität für Essen und Betreuung ab, wie Siegenthaler feststellte. Bisher seien die Kosten für die Betreuung in der Preisgestaltung nicht vollständig abgebildet gewesen. Die restlichen Tarife der Tagesstrukturen sollen derweil gleich bleiben.
Die Ankündigung zu den Änderungen bei den Tagesstrukturen folgte auf ein übergeordnete Information zum Schulraum in der Gemeinde. Wie in vielen umliegenden Gemeinden wird auch in Seon der Schulraum knapp. Besonders drückend ist die Lage bei den Kindergärten. Bereits ab kommendem Schuljahr muss die Gemeinde eine siebte Abteilung führen, wie Gemeinderätin Christine Iten erklärte. Diese soll für die nächsten drei bis vier Jahre im Seetalschulhaus als Provisorium geführt werden.
Um die Räumlichkeiten bis zum Start des Schuljahrs im Sommer für den Unterricht fit zu bekommen, musste der Gemeinderat für die Finanzierung auf einen Notkredit über 280'000 Franken zurückgreifen. Das obwohl die Schule den Bedarf für zusätzlichen Schulraum schon länger angemeldet hatte. Wie Gemeindeammann Siegenthaler auf eine entsprechende Frage aus dem Publikum sagte, habe man lange gehofft, dass die Schülerzahlen das Maximum bereits erreicht hätten. Dies sei nun aber auch in Anbetracht der anhaltenden Bautätigkeit in Seon nicht absehbar.
Da alle diese Kindergartenkinder auch älter werden, zeichnet sich auf der Primar- und Oberstufe zudem ein erhöhter Platzbedarf ab. Um diesem begegnen zu können, beginnt die Gemeinde nun auch damit, allfällige Standorte für weiteren Schulraum zu eruieren. Im Finanzplan seien für die nächsten zwei Jahre 8 Millionen Franken für den Ausbau des Schulraums eingestellt.
Weiter informierte Gemeinderat Otto Walti über den Verpflichtungskredit für die Sanierung der Reussbrücke, welcher der Bevölkerung an der nächsten Gemeindeversammlung am 25. Juni vorgelegt wird. Für das Projekt seien bereits 70'000 Franken im Budget 2026 einberechnet worden, da eine Überprüfung der Brücke zwei Jahre zuvor den Handlungsbedarf aufzeigte. Nun habe sich aber gezeigt, dass die Kosten höher liegen werden, als damals geschätzt. Der Gemeinderat wird einen Verpflichtungskredit über 225'000 Franken beantragen.
Das Baugesuch wird derweil bereits vor der Entscheidung der Stimmberechtigten aufgelegt, informierte Walti. Dies sei nötig, da für die Betonarbeiten eine Wasserhaltung im Bach gemacht werden muss und die Sanierungsarbeiten damit vor der Fischschonzeit Ende November durchgeführt werden müssen. Erfreulich sei, dass der Prüfbericht der 1816 erbauten Brücke nach erfolgter Sanierung weitere 50 Jahre Lebenszeit attestiert, führte Walti aus. Ein Ersatz der Reussbrücke wäre indes keine Option, da diese unter Denkmalschutz stehe, erklärte der Gemeinderat auf eine entsprechende Frage aus dem Publikum.
Alles andere als unter Denkmalschutz steht dagegen die Führungsstruktur der Gemeinde. Wie Peter Siegenthaler eingangs mitteilte, fand an einem Workshop im vergangenen Dezember eine Überprüfung des Führungsmodells statt. Auf dieser Grundlage habe der Gemeinderat beschlossen, künftig die Position des Verwaltungsleiters auf eine dreiköpfige Geschäftsleitung zu verteilen. Ein entsprechendes Konzept befände sich aktuell in einer externen fachlichen Prüfung. Geplant ist demnach, dass die Geschäftsleitung ab Mitte dieses Jahres eingesetzt wird. Neues Personal wolle man allerdings nicht einstellen. Es sei lediglich das Ziel, die Verantwortung auf mehr Schultern zu verteilen.
Von Adrian Oberer
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