Rolf Walser
Interview: OK-Präsident und Gesamtschulleiter über das «Speuzer Schuelfescht»
Im Rahmen des Internationalen Museumstages am 17. Mai nimmt das Museum Burghalde in Lenzburg Exponate genauer unter die Lupe. So genau, dass sich sogar Fenster in eine neue Welt öffnen.
Lenzburg Im Leben kommt es nicht selten darauf an, aus welcher Perspektive man eine Sache betrachtet. Nicht nur Abstraktes wie unsere Gefühlslage kann so aus verschiedenen Winkeln angeschaut werden, sondern auch profane Alltagsgegenstände, die uns in jeder Lebenslage begleiten. Ein gewöhnlicher Fünfliber zum Beispiel: Seit 1850 millionenfach geprägt, würde er so schnell wohl keinen in das Museum Burghalde locken. Platziert man die gleiche Münze jedoch unter einem Mikroskop, eröffnet sich ein Fenster in eine verborgene Welt; jene der Nanotechnologie. Eine Welt, in der kleinste Unebenheiten zu Bergen werden, kleinste Risse sich wie Schluchten durch die Landschaft ziehen.
Die Burghalde lädt ab dem 17. Mai dazu ein, in diese Welt einzutauchen: An insgesamt fünf Stationen, den «NanoCubes», kann Jung bis Alt auf dem Pfad der Nano-Welt wandeln und interessante Exponate auf Nano-Skala entdecken. Jeder Cube dreht sich dabei um ein eigenes Thema: Von Werkstoffen wie Holz oder Metall über die Farbwahrnehmung ist alles dabei. Sogar Schiesspulver widmet sich ein Posten – inklusive Einblicken, wie die Nano-Technik schon Tätern das Handwerk gelegt hat.
Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit dem Swiss Nanoscience Institute (SNI) der Universität Basel, mit welchem das Museum schon durch frühere Projekte eine gemeinsame Geschichte verbindet. «Unsere Idee war es, den Besuchern eine neue Brille zu verleihen, mit der sie durch unser Haus gehen können», erzählt Kurator und Museumsdirektor Marc Philip Seidel erfreut. So würden sich die «NanoCubes» auch nahtlos in die Themenwelten der Burghalde integrieren. Der «NanoCube» mit dem Thema «Metalle im Härtetest» findet beispielsweise in der Archäologie-Ausstellung seinen Platz.
Die «NanoCubes» sind dabei keine vorgefertigten Konstruktionen, die das SNI von Ausstellung zu Ausstellung weitergibt. Sie entstanden alle eigens für die Ausstellung in der Burghalde in minuziöser Handarbeit. Die Hand legte dabei allen voran Markus Dürrenberger an. Der Molekularbiologe mit Spezialisierung auf Elektronenmikroskope verband für die Holzkonstruktionen seinen fundierten Wissensschatz aus Jahrzehnten wissenschaftlicher Arbeit mit seinem handwerklichen Können. Die Schaukästen seien aber eine besondere Herausforderung gewesen, erzählt Dürrenberger. «Zuerst musste ich googlen, wie gross der Durchschnittsschüler ist, etwa für die Höhe des Trittbrettes», erklärt er mit einem Lachen. Zwei Jahre benötigte er, um alle fünf Cubes herzustellen. Seine handwerklichen Fähigkeiten erlangte er nicht im Studium, sondern in unzähligen Stunden in der Werkstatt seines Vaters, eines passionierten Segelfliegers. Doch nicht nur für die Konstruktion musste Dürrenberger mit Holz umgehen, auch für einen Posten selbst, der sich um das Thema «Holz im Wandel der Zeit» dreht. Zu sehen ist unter anderem ein Stück Holz, das geschlagene 13'000 Jahre auf dem Buckel – oder eher Kerbholz – hat.
Joel Dreier
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